Kleidergeschichte: Das Reformkleid

Heute wollen wir einmal einen tiefen Blick in die Geschichte der Kleider werfen und euch verraten, warum eure Kleider heute bequem sind. Früher gab es nämlich nur Kleider mit Korsett und nun stellt euch einmal vor, dass ihr darin eure tägliche Arbeit verrichten müsstet. Bequem wäre das sicherlich nicht. Dafür stellen wir euch das Reformkleid vor, das im 19. Jahrhundert entwickelt wurde, um den Frauen mehr Bewegungsfreiheit zu geben. Ob das tatsächlich geklappt hat und was dann aus dem Reformkleid wurde, erzählen wir euch jetzt.

Das erste Kleid ohne Korsett

Das Reformkleid an sich war ein von den Schultern her locker herabhängendes Kleid, das sehr weite Ärmel besaß. Das Rockteil des Kleides war zwar noch bauschig, aber nicht so bauschig wie bei den Kleidern in den vorherigen Jahren, wodurch die Last des Rockteils von der Taille genommen wurde. Es war ein Kleid, das in Bahnen geschneidert wurde (Reformschnitt), sodass es nicht so schwer viel. Das Reformkleid stand im Gegensatz zum aktuellen Kleidertrend der damaligen Zeit, bei dem die Sans Vetre Linie schwer angesagt war. Die Sans Ventre Linie wurde vor allem durch ein Korsett über dem Kleid geformt, sodass Dekolletee und Po gut zu Geltung kamen und die Taille richtig eng zugeschnürt wurde. Dass der Look nicht sonderlich bequem war, muss nicht extra erwähnt werden – wir tun es trotzdem. Für die Frauen in der damaligen Zeit war die Haltung, die das Korsett hervorgerufen hat, sehr schädlich und so wurde das Reformkleid entwickelt.

Ausstellungen kündigten das neue Kleid an

1880 wurde das Reformkleid propagiert, um den Frauen mehr Bewegungsfreiheit zu geben und das Leben angenehmer zu gestalten. Die Sans Ventre Linie galt mittlerweile als gesundheitsschädigend, wurde aber trotzdem noch getragen. Ärzte, Künstler und Frauenrechtler rieten von der Linie ab und wollten den Frauen der damaligen Kleid ein neues Kleid anbieten, mit dem sie Spaß haben könnten. 1883 gab es dafür extra eine Ausstellung namens „Rational Dress Society“, die darauf ausgelegt war, dass das Reformkleid besser ist als andere Kleider. Frauen sollten nicht mehr in eine Form gepresst werden. Zudem gab es auch Frauenvereine zur Verbesserung der weiblichen Kleidung. Zeitgleich gab es auch eine Reformierung der Unterkleidung, sodass auch dafür geworben wurde, keine Korsetts mehr direkt auf der Haut zur Formung zu tragen.

Vorläufer für alle Kleider heute

Nur wenige Frauen trugen tatsächlich das Reformkleid, weil sie sich nicht von den anderen Frauen der Gesellschaft abheben wollten. Immer wieder wurden deswegen Ausstellungen angeboten, um die Frauen aufmerksam auf das neue Kleidungsstück zu machen. So wurde die „neue Frauentracht“ in Berlin vorgestellt. Auch fand ein rauschendes Reformkleid- Fest statt, um zu zeigen, wie schön (und bequem) die Reformkleider sein können. Erst als Chanel im Jahr 1920 die Hängerkleider entwickelte, ist das Reformkleid richtig in den Köpfen der Frauen angekommen. Hätte es das Reformkleid damals nicht gegeben, würdet ihr heute wahrscheinlich auch noch in unbequemen Korsett herumlaufen. Dem Reformkleid verdankt ihr also euren bequemen Look, der sich mit den Jahren zwar viel verändert hat, aber im Endeffekt gleich geblieben ist.

Kleidergeschichte: Das Reformkleid

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